Es ist ein leises, ein kontinuierliches Dagegenhalten – wenn bei Schnee und Minusgraden von einem „Land, in dem für immer Frühling ist“ gesungen wird. Der Song „Für immer Frühling“ [Soffie], außerordentlich performt von einer Schülerin der 8. Klasse und begleitet von einer Mitschülerin (13. Jahrgang) auf dem Klavier, entspricht ganz der Manier der Musikbetonten Gesamtschule Zeuthen „Paul Dessau“ [PAULA], besonderen Ereignissen einen eigenen Sound zu verleihen.

Die Eröffnung der Ausstellung „Demokratie stärken - Rechtextremismus bekämpfen“ am 12.01.2026 stellte den jüngsten Meilenstein einer Entwicklung der PAULA dar, die dem aktuellen politischen Winter trotzt. Die Eröffnung wirkte leise und feierlich, kein lautes Schwadronieren, sondern ein klares Benennen, ein Angebot und eine Bitte an die junge Generation.
Insbesondere der Bürgermeister von Zeuthen, Herr Martens, fand in seiner Rede zur Eröffnung klare Worte, mit denen er den Schülerinnen und Schülern verdeutlicht, dass das Erhalten einer Demokratie schützenswertes Neuland in der deutschen Geschichte ist. Herr Martens sprach von gegenseitiger Verantwortung füreinander, von einer aktiven Haltung gegen Ausgrenzung und gegen Rechtsextremismus, denn dieser führe unweigerlich zu Faschismus.

Die Ausstellung war Teil der Arbeit der AG „Starke Paula“, welche sich nach einem Vandalismusvorfall im April 2023, gründete. Unter der Leitung sehr engagierter Lehrkräfte findet an der PAULA seit geraumer Zeit eine aktive Demokratiebildung statt. Die Schulgemeinschaft hat sich für die Teilnahme am Programm „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“ der RAA1 entschieden und in diesem Kontext bereits unterschiedliche Fortbildungen und Projekte umgesetzt, wie die Schulleiterin Frau Wilms zu Beginn der Veranstaltung betonte. Die Ausstellung der Friedrich-Ebert-Stiftung, welche den gesamten Januar in den Räumen der PAULA ihr Zuhause fand, ist das jüngste und wahrscheinlich aufwendigste Projekt in diesem Kontext.

So wurden durch die Mitarbeitenden der RAA und der Friedrich-Ebert-Stiftung 17 Schülerinnen und Schüler der PAULA in einem dreitägigen Workshop zu Guides der Ausstellung ausgebildet. Diese Schülerinnen und Schüler übernahmen in den kommenden Wochen die Aufgabe, ihre Mitschülerinnen und Mitschüler durch die Ausstellung zu führen. Dabei haben sie sich bestimmt auch unbequemen Fragen stellen müssen, doch auch darauf wurden sie durch die Multiplikatoren vorbereitet. Denn wie einer der Guides und Moderator der Ausstellungseröffnung berichtete, war nicht nur der Umgang mit den Materialien der Friedrich-Ebert-Stiftung, sondern auch der Austausch eigener Erfahrung mit ausgrenzendem Verhalten und das Etablieren einer Diskussionskultur, Inhalt des dreitägigen Workshops.

Obwohl die eigentliche Arbeit für die Guides mit der Eröffnung der Ausstellung erst begann, sollte dieses besondere Engagement der jungen Menschen bereits im feierlichen Kontext anerkannt werden. Das passende Umfeld hierzu bildete die zeremonielle Auszeichnung mit Urkundenübergabe durch die Multiplikatorinnen der Friedrich-Ebert-Stiftung und der RAA, eingeleitet durch Beethovens „Freude, schöner Götterfunken“ gesungen von der Musikklasse. Dabei bedankten sich die Multiplikatorinnen bei den Guides für ihre Offenheit, Gesprächsbereitschaft und auch den Mut, Zivilcourage und Haltung zu zeigen. Denn diese Guides und ebenso ihre Lehrkräfte sind Vorbilder. Sie zeigen mit ihrem Einsatz, „Demokratie braucht Demokraten und Demokratinnen“ - wie eine der Multiplikatorinnen passend formulierte.

So wie die Veranstaltung mit den Klängen von John Lennons Friedenhymne „Imagine“ durch einen Schüler der 10. Klasse am Klavier eingeleitet wurde, so beendeten ebenjener mit einer der Musiklehrkräfte das Programm mit einer eindrucksvollen Darbietung dieses Songs.

Im Anschluss an das feierliche Programm führten die frisch ausgezeichneten Guides durch die einzelnen Teile der Ausstellung. Neben einer ersten moderierten Fragerunde werden die bedruckten „Sitzwürfel“ einen weiteren Interaktionspunkt darstellen, die unterschiedlichen Seiten der Würfel können dabei als Puzzle für Gruppen oder aber als Einzelstücke genutzt werden. Ebenso gut aufbereitet waren die drei beleuchteten Tafeln zu unterschiedlichen Schwerpunkten und der Medientisch, die dazu einluden, sich unter anderem vertiefend mit Berichten von Betroffenen rechter Gewalt zu befassen.

Frau Wilms formulierte in ihrer Rede zu Beginn der Veranstaltung, dass Schule eine Begegnungsstätte und ein Raum ist, in dem Pluralität und Vielfalt erfahren wird, aber auch eine Institution, in der Demokratiebildung und die Teilhabe an Demokratie praxisnah erlebt werden muss.
In einer Zeit, in der der politische und soziale Umgangston rauer denn je ist, nutzt die PAULA die Möglichkeit mit Schülerinnen und Schülern ins Gespräch zu kommen.
In einer Zeit, in der Parteien in den sozialen Medien auf Wählerfang gehen, gibt die Ausstellung den Jugendlichen die Möglichkeit Mechanismen des Rechtspopulismus und Rechtextremismus zuerkennen.
In einem Land, in dem bald Frühling ist, zeigte die Ausstellungseröffnung an der PAULA, dass Demokratie gelebt und gelehrt wird und keine Alternative braucht.

Frau Meißner

 

1Regionale Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie

 

 

 

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